Das Wort "Atheismus" kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt: "OHNE GOTT" - Ein Atheist ist demnach ein Mensch, der davon überzeugt ist, dass es keinen Gott oder irgendeine übergeordnete Macht gibt. Seine Überzeugung ist rein materialistisch. Nun ist ja Atheismus an sich nichts wirklich Neues. Von der Antike bis in die Neuzeit ziehen sich die Gegensätze zwischen Glauben an einen Gott und Unglauben durch die Menschheitsgeschichte und die verschiedenen Völker. Nun allerdings gibt es einen Begriff, der in den letzten Jahrzehnten einen speziellen Stellenwert unter den Naturwissenschaftlern unserer Zeit einnimmt: Der "Neue Atheismus".
Glaube oder Unglaube hat in unserer Welt viele Facetten. Gläubige Menschen binden ihre Überzeugung an etwas, das außerhalb unserer wahrnehmbaren Sichtweite liegt. Demnach gibt es auf unserer Erde 62 bis 72 Prozent Menschen, die an Gott oder ein höheres Wesen glauben. Das sind bei einer Weltbevölkerung von rund 8 Milliarden Menschen schätzungsweise 5 bis 5,7 Milliarden Menschen. Rund 10 % sind überzeugte Atheisten und weitere 24 %bezeichnen sich als nicht religiös. Zu ihnen gehören auch Agnostiker, die zwar an etwas Höheres glauben, aber nicht ernsthaft über darüber nachdenken wollen.
Allen Religionen, Weltanschauungen, Formen und Ausprägungen liegt eine individuelle Erkenntnis zugrunde, die von verschiedensten Umständen, durch Gesellschaft, Familie, politische Systeme, Erfahrung oder Entscheidung geprägt wurde und die von blinder Hingabe, einer kritischen Duldung, einer gleichgültigen Akzeptanz, einer demütiger Selbstaufgabe bis zum absoluten Nihilismus geprägt ist.
Auch Atheismus ist eine Form von Glauben. Man glaubt an eine Wissenschaft, die viel an Theorien zu bieten hat, an eine zufällige Entstehung der Welt durch den Urknall, vor allem aber an sich selbst als das Maß aller Dinge oder das absolute Nichts. Und er ist bei weitem keine neue Erscheinung. Vor unserer Zeitrechnung verstanden sich bereits Philosophen wie Thales von Milet, Anaximenes oder Anaximander als Naturphilosophen, die den Ursprung der Welt außerhalb eines Schöpfergottes dachten und die Weltentstehung rein mechanischer Entwicklung zuschrieben. Nach dem Auftreten von Jesus Christus breitete sich der christliche Glaube rasch aus, ehe er vehement bekämpft und verfolgt wurde. Im Mittelalter gab es wieder eine stark christlicher Prägung, ehe die Aufklärung sich etwa um 1700 sehr einflussreich durchsetzte. In der Französischen Revolution führte schließlich das atheistische Verständnis zum Rationalismus und zum Liberalismus und der Atheismus wurde zur Staatsreligion erklärt. Der damit eingehergehende Terror an den Gläubigen, vor allem der christlichen Religion, kostete z.B. allein etwa 40.000 Franzosen das Leben. Im 19. Jahrhundert waren die bedeutendsten atheistischen Denker Arthur Schopenhauer, Karl Marx, Friedrich Nietzsche, Friedrich Engels und Max Stirner, später Albert Camus, Bertrand Russell, Siegmund Freud oder Jean-Paul Sartre. Ihre atheistischen Weltbilder förderten die Entwicklung und prägten die Gesellschaft, vor allem die elitären Schichten. Mit der Aufklärung begann auch der atheistische Feminismus, der nicht nur die religiösen Konventionen, sondern alle bisherigen sexistischen Strukturen umkehrte und seinen derzeitigen Höhepunkt in den Fragen der Geschlechtergerechtigkeit und Diversität (also der Vielfalt und Verschiedenartigkeit der Menschen, vor allem in ihrer sexuellen Orientierung) gefunden hat.
Warum aber "Neuer Atheismus"?
Anfang des 21. Jahrhunderts, also vor rund 20 Jahren, kam ein Buch auf den Markt, das eine Kontroverse, nicht nur unter den Naturwissenschaftlern, sondern auch unter "normalen" Menschen auslöste, die bis heute anhält. Es stammt aus der Feder von Richard Dawkins und trägt den Titel "DER GOTTESWAHN"
Das Buch ist ein Verkaufserfolg. Bisher wurden weltweit über 2,5 Mill. Exemplare verkauft.
Richard Dawkins wurde 1941 in Kenia geboren, wuchs in Ostafrika auf. Er studierte Biologie an der Universität Oxford , war Assistenzprofessor an der Berkley-Universität in Kalifornien, Dozent und Professor für Zoologie an der Oxford-Universität und Inhaber des Lehrstuhls für das öffentliche Verständnis von Wissenschaft. Er schrieb mehrere weitere Bücher. u.a. "Das egoistische Gen", in dem er die Gen-Zentrierte Evolutionstheorie populär machte.
Der Gotteswahn» von Richard Dawkins, erstmals 2006 veröffentlicht, ist eines der einflussreichsten Werke der atheistischen Literatur. Dawkins behauptet, dass der Glaube an Gott nicht nur falsch, sondern auch schädlich für die Gesellschaft ist. U.a. meinte er, "der alttestamentarische Gott sei ein Rassist, Schwulenhasser und ethnischer Säuberer, ein Kinderkiller und Korinthenkacker". Und, dass die Evolutionstheorie einen Schöpfer längst überflüssig gemacht habe...
Das Buch löste breite Diskussionen aus und führte zu lebhaften Debatten zwischen Befürwortern von Glauben an einen Gott und Atheismus. Darin kritisiert Dawkins fundiert jede Religion, indem er Errungenschaften der Wissenschaft und Logik zur Untermauerung seiner Ansichten nutzt. Die Arbeit hatte erheblichen Einfluss auf die atheistische Bewegung und beeinflusste öffentliche Diskussionen über die Rolle der Religion in der Gesellschaft, indem sie Aufmerksamkeit auf Fragen der Religionsfreiheit und des wissenschaftlichen Ansatzes zur Erforschung der Welt lenkte. «Der Gotteswahn» spielte eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung und Popularisierung wissenschaftlich-atheistischer Theorien bei einem breiten Publikum.
Im 21. Jahrhundert erschienen weitere Bücher ähnlichen Inhalts von säkularen Autoren, die schließlich zur Definition "NEUE ATHEISTEN " führte. Der Begriff bezeichnete zunächst die bekanntesten Autoren, die in jenem Genre vertreten sind: Richard Dawkins (s.o.), Sam Harris, Daniel Dennett und Christopher Hitchens und entstand als übergreifende Kennzeichnung aus journalistischen Kommentaren und Kritiken zu deren Büchern.
Diese Gruppe prägte ab Mitte der 2000er-Jahre eine radikale und öffentlichkeitswirksame Kritik an Religion und religiösem Glauben. Sie argumentieren konsequent naturalistisch, vertreten eine aggressive Position, die sich im trendartigen Aufkommen ihrer Büchern in Millionenauflagen sowie der folgenden, medienwirksamen und rhetorisch geschliffenen Auseinandersetzung der populärsten Protagonisten u.a. auch mit christlichen Vertretern, niederschlägt.
Sam Harris ist ein US-amerikanischer Neurowissen- schaftler, Philosoph und Autor von "Das Ende des Glaubens"
Daniel Dennett ist ebenfalls ein amerikanischere Philosoph und Autor von "Der darwinsche Irrtum".
Christopher Hitchens ist britisch-amerikanischer Journalist und Autor von "Der Herr ist kein Hirte"
Die vier Autoren dieser Bücher werden auch „The Four Horsemen of the Non-Apocalypse“ („Die vier nicht-apokalyptischen Reiter“)* Sie machten zunächst im englischen Sprachraum von sich reden. Die Bewegung ist inzwischen auch in anderen Ländern einschließlich Deutschland unter diesem Begriff verbreitet.
*)Die apokalyptischen Reiter sind Bestandteil des "Buches der Offenbarung" in der Bibel.
So eine Bewegung bedarf auch eines Kennzeichens: ein Kreis, in dem ein großes "A" und ein Fisch (ein Erkennungsmerkmal der Christenheit!!) mit dem Schriftzug "DARWIN" (wohl der "Gott der Atheisten"?)
--------------------------------------------------------
Nun möchte ich - und das soll auch der Mittelpunkt dieses Berichtes sein - aus christlicher Sicht kritische Stimmen zu diesem Thema zu Wort kommen lassen. Es gibt eine Reihe von Naturwissenschaftlern, die sich mit diesen Thesen überhaupt nicht identifizieren. Weil sie aber weder polemisch, provokativ oder reißerisch daherkommen, sondern einfach auf intellektuelle Weise, allerdings brillant, gegen Dawkins & Co. argumentieren, schaffen sie es kaum in die Aufmerksamkeit der Medien oder auf die Bestsellerlisten. Dennoch gibt es eine Reihe von Autoren, wie z.B. Dinesh D'Souza, William Lane Craig und Paul Copan oder Michael Poole, deren Bücher leider nur auf Englisch erschienen sind und es von ihnen keine deutsche Übersetzung gibt.
Ein Buch allerdings, das auch in deutscher Sprache erschien, ist "Antwort auf den Neuen Atheismus: Gegen Richard Dawkins' Gottesleugnung", das von den Autoren Scott Hahn und Benjamin Wiker stammt. In den USA gilt dies als eines der Standardwerke zur Auseinandersetzung mit diesem Thema. Die beiden Autoren greifen sachlich die Kernthesen Dawkins auf und untersuchen sie auf ihre Tragfähigkeit hin. Sie schleudern Dawkins keine Bibelverse an den Kopf, sondern sie sezieren seine Argumente mit strenger Logik und widerlegen Dawkins Aussage, ein Schöpfergott sei überflüssig.
Auch der Oxford-Professor John Lennox hat sich schon unzählige Male mit Dawkins in öffentlichen Diskussionen auseinandergesetzt und an dieser Stelle empfehle ich euch - wenn euch diese Diskussionen interessieren sollten - eines der vielen YouTube-Videos, die ihr problemlos unter seinem Namen finden könnt. Im speziellen weise ich auf seine Vortragsserie über den Neuen Atheismus, den er in deutscher Sprache gehalten hat, hin: "Der neue Atheismus, Richard Dawkins & Co., Vortrag von Prof. John Lennox" .
Ich freue mich darüber, dass auch in Österreich Naturwissenschaftler zu diesem Thema befragt wurden. Das Ergebnis würde Dawkins kaum gefallen, denn eine Reihe von Mitgliedern an Österreichischen Universitäten haben gemäß einer Umfrage in der "Presse" auf die Frage: "Stimmt es, dass sich Naturwissenschaft und Glaube ausschließen?" mehrheitlich ihre gegensätzlichen Meinungen zur Gotteswahn-Theorie von Dawkins geäußert.
Auch den Oxforder Molekularbiologen und Kirchenhistoriker Alister McGrath hat der Anspruch Dawkins, mit der Wissenschaft gegen Gott zu Felde ziehen zu können, so genervt, dass er ein Buch geschrieben hat mit dem Titel: "Der Dawkins-Wahn". Er kritisiert darin das ungenaue Zitieren Dawkins und dessen blinden Wissenschaftsglauben. Die Wissenschaft sei keinesfalls notwendigerweise atheistisch, wie Dawkins immer behauptet, so McGrath.
Zum Abschluss zu Dawkins & Co. lasse ich einen der berühmtesten Naturwissenschaftler der Welt zu Wort kommen: Francis Collins. Der US-amerikanische Genetiker gilt als einer der mächtigsten Wissenschaftler der Welt. Seit 2009 leitet er in den USA das National Institutes of Health. Zuvor stand er ab 1993 an der Spitze des Humangenomprojekts, mit dem ihm im Jahr 2003 die vollständige Entschlüsselung des menschlichen Erbguts gelang. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Francis Collins die „Presidential Medal of Freedom“, die höchste zivile Auszeichnung der USA, und 2010 den „Albany Medical Center Prize“, den höchstdotierten Medizinpreis der USA. Weiter ist er Mitglied der „National Academy of Sciences“ und der „American Academy of Arts and Sciences“. Auch wenn manche seiner Kollegen über seinen christlichen Glauben den Kopf schütteln mögen, so tut dies seiner überragenden Reputation als Wissenschaftler nicht den geringsten Abbruch. Er sagt:
„Ich bin Wissenschaftler und gläubiger Christ, und ich sehe keinen Widerspruch in diesen beiden Weltanschauungen.“ - „Ich glaube, dass Gott uns die Möglichkeit gegeben hat, durch den Gebrauch der Wissenschaft die Welt zu verstehen.“ - „Der Verstand allein kann die Existenz Gottes nicht beweisen. Der Glaube ist Verstand plus Offenbarung (…) Man muss die Musik hören, und nicht nur die Noten auf dem Blatt spielen.“ - „Die Wissenschaft beantwortet unsere Wie-Fragen, das Christentum die Warum-Fragen.“ - "Der Atheismus ist eine Art von Fundamentalismus. Er ist die Beschwörung einer universellen Verneinung, ein Dogma, das schwierig zu verteidigen ist“
Für Atheisten, aber auch für Christen ist klar, dass sich Gott nicht beweisen lässt. Aber er lässt sich ERKENNEN in seiner Schöpfung.
"Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung sind"
(Römer 1,20)
Das "Gemachte" ist demnach das, was wir in der Natur sehen können und das nicht von Menschenhand entstanden ist (kein Naturwissenschaftler ist in der Lage, eine Blume, ein Tier oder gar einen Menschen zu erschaffen). Eine Schätzung besagt, dass es bis zu 50 Millionen existierende Tierarten gibt und es sind derzeit etwa 1,5 bis 2 Millionen Tierarten wissenschaftlich beschrieben und bekannt, wobei die Gesamtzahl aller tatsächlich existierenden Tierarten von Forschern auf 5 bis 50 Millionen und jene der unterschiedlichen Pflanzenarten auf ca. 400.000 geschätzt werden. Allein zum Staunen müsste es jeden bringen, wenn er sich bewusst macht, dass keines dieser lebendigen Wesen einem anderen gleicht. Sie unterscheiden sich ebenso in ihrer Art, ihrem Zweck oder ihren Aufgaben wie sie sich in ihren phantasievollsten Formen und Farben unterscheiden.
Und es gibt derzeit etwa 8,3 Milliarden Menschen. Man nimmt an, dass seit Bestehen der Menschheit ca. 200 Milliarden Menschen gelebt haben. Und es gibt unter ihnen kein einziges identisches Paar. Jeder besitzt eine ganz spezifische, einzigartige DNA, einen Fingerabdruck, den kein anderer Mensch hat, sein Netzhautmuster ist genauso einzigartig und individuell wie seine Ohrmuscheln oder seine Hautbakterien, und er hat sogar einen unverwechselbaren Eigengeruch. Einer von ihnen ist Richard Dawkins. Richard Dawkins ist eine geniale Schöpfung. Und er ist so unfassbar großartig geschaffen, dass sein menschliches Gehirn, das aus rund 86 Milliarden Nervenzellen und einer noch größeren Anzahl an sog. Stützzellen, aus 100 Billionen (!) Synapsen (also den Verbindungen, die die Informationen durch das Gehirn fließen lassen) die Freiheit bekommen hat, zu entscheiden, ob er an einen blinden Zufall glaubt oder an einen Schöpfer, der an Phantasie, Größe, Allmacht, Weisheit und Liebe nicht zu übertreffen ist.
"Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er den Menschenkindern die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk nicht begreift, das er getan hat, vom Anfang bis zum Ende..... Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird. Es ist ihm nichts hinzufügen und nichts davon wegzunehmen. Und Gott hat es so gemacht, damit man vor ihm Ehrfurcht habe."
(Pred. 3,11 ff.)
Der Herr segne dich!
Du findest viele andere Artikel im Internet unter christablog.at
Und wenn du mir schreiben willst oder einen Kommentar zu meinen Artikeln abgeben möchtest, schreib mir gerne an meine e-mail-Adresse: christablog@gmx.at